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Schrauberwinkel

Langfristig wohl auch eine vom Aussterben bedrohte Spezies: Hinterhofwerkstatt im Wedding

Frauenladen

Erlesene Leckereien, nützliche Utensilien zum Kochen und Putzen, kunterbunter Präsente-Krimskrams und emanzipative Gesinnungsspiritualität: dieser Laden in der Amsterdamer Straße im Wedding dürfte so ziemlich alles angeboten haben, was das Herz (eines großen Teils) der heimischen Damenwelt begehrt. Oder doch nicht? Geschäftsideen und Umsturzpläne scheinen jedenfalls nicht besonders nachhaltig gewesen zu sein.

Haarig und giftig!

Ich hatte gedacht, sie wären bereits ausgestorben. Meist versteckten sie sich unauffällig im Schatten von Hauswänden, drückten sich an eng an Mauern. Sie lockten nicht mit Blinklichtern, sie piepsten nicht und hatten natürlich auch keine leuchtende Touchscreen, die zum Befummeln einlädt. Und doch waren sie unglaublich anziehend, verbargen sich in ihrem Innern doch kostbare Schätze, an die zu gelangen trickreiche Beharrlichkeit erforderte. Mit einer Münze, einem geschickten Dreh und etwas Glück spukten sie dann blitzende Miniatur-Taschenmesser, springende Flummis oder Ringe mit Ein-Karäter-Plastik-Brilli aus. Im anderen Fall gab es nur etwas rundes süßes in Geschmacksrichtungen, die irgendwelche Lebemsmittelchemiker in Anlehnung an Apfel-, Himbeer- oder Zitronenaromen zusammengemixt hatten.

Ich traue daher meinen Augen kaum, als ich in der Amsterdamer Straße im Wedding gleich mehrere  Exemplare dieser Spezies erspähte: Kaugummi-Automaten. Mein Spross ist natürlich für den Selbstversuch sofort zu haben. Der erste Apparat erweist sich leider als Enttäuschung. Arg ramponiert und seines Inhaltes beraubt, wird sein leere Hülle als Pinnwand für toxische Mitteilungen (Hinweis auf die Auslage von Rattengift und fantastische Forderungen politischer Extremisten) missbraucht.

Das zweite Exemplar ein paar Meter weiter ist etwas besser in Schuss. Es ist sogar befüllt. Doch anders als früher sind Süßigkeiten und Spielzeug jetzt strikt getrennt. Wir wagen die 10-Cent-Investition in die „billigere“ Nur-Kaugummi-Variante. Der Schlitz verschlingt die Münze ohne sich zu verschlucken. Der Griff lässt sich problemlos drehen. Klack, etwas ist in den Ausgabeschacht gefallen.

Es ist kugelig, grün, hart … und pelzig. Wessen Fellfragmente an der Kaugummi-Kugel haften: Keine Ahnung! Der Geschmackstest entfällt. Das unappetitliche Ding verschwindet im nahen BSR-Behältnis. So vernachlässigt werden die Kugel- und Krimskrams-Kameraden nicht überleben.

Dönertag

Türkische Imbissbude in der Müllerstraße im Wedding.

Oldtimerjungs

Mit wissendem Kennerblick inspizieren zwei Berliner Steppkes im Wedding ein rotes Chevrolet Corvair Coupé aus den frühen 1960er Jahren.

Asyl-Haus

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Berliner Gören inspizieren in einem Hof in der Wriezener Straße im Wedding die verwitterte Holzfassade eines unverkennbar amerikanischen Wohnhauses. Tatsächlich stand es einst in Detroit und beherbergte für ein paar Jahre mit Rosa Parks eine Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Der in Berlin ansässige Künstler Ryan Mendoza verhalf dem vom Abriss bedrohten Holzbau zur Flucht und bot ihm auf seinem Grundstück im Berliner Norden erst einmal Asyl.

Potentielle Stammkneipe No. 16

Das Kachel-Eck in der Drontheimer Straße ist keine Raucherkneipe obwohl augenscheinlich ein paar Meter weiter zum Inhalieren geeignete bewusstseinserweiternde Kräuter ganz offen feil geboten werden. Karten-Kloppen in der Altherren-Runde hätte zu einem so betörenden Erlebnis werden können!

Potentielle Stammkneipe No. 8

Zum Magendoktor in Wedding

Die Tür steht weit offen, Gesprächsfetzen und Gelächter fliegen mir daraus entgegen. Schon freue ich mich auf das hinter dieser Pforte kredenzte Elixier aus Gerste und Malz. Im Türrahmen aber haut es mich fast um. Aus den Eingeweiden des Magendoktors schlägt mir eine Welle jenes für eine wahrhafte Kneipe so typischen Geruchscocktails entgegen, gemixt aus variierenden Anteilen von kaltem Zigarettenrauch, Bierdunst und einem breiten Spektrum menschlicher Duftnoten. Das ist zu viel für mich, es ist erst Mittag. Mein Magen beginnt zu rebellieren, er will (noch) nicht zum „Doc“. Ich muss meine Visite verschieben.

Wurmomat

Wurmomat im Wedding

An diesem bemerkenswerten Automaten kann Mann oder Frau sich ein Döschen frischer Maden ziehen. An den proteinreichen Insektenlarven halten sich dabei weniger experimentierfreudige Gourmets schadlos als Hobbyfischer, die hier am Wochenende aus dem Apparat auch dann noch Lebendköder ziehen können, wenn der benachbarte Angelladen seine Pforten geschlossen hat. Gesehen in der Tegeler Straße im Wedding.

Apokalyptischer Schwof

Apokalyptischer Schwof

Höfliche Aufforderung zum finalen Tanz.

Die Skulptur „Tanz auf dem Vulkan“ der Bildhauherin Ludmila Seefried-Matejkova steht auf dem Nettelbeckplatz. Tatsächlich speit der Krater im Sommer alle 10 Minuten eine Wasserfontäne über die ausgelassen tanzende Gruppe.

Ruhe vor dem Sturm

Die Wiesenburg im Wedding

Nachdem der Orkan „Niklas“ schon eine Menge Putz hat hinunterstürzen lassen, wird das historische Gebäude-Ensemble der Wiesenburg im Wedding, Berlins einstiges Vorzeige-Asyl für Obdachlose und Bedürftige, wohl bald von einem noch unbarmherzigeren „Wind of Change“ erfasst. Nach der umstrittenen Übernahme des Geländes durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „degewo“ stehen dem geschichtsträchtigen Gelände und seinen bisherigen Nutzern wohl tiefgreifendere Umwälzungen bevor. Die Statements des nichtssagenden „degewo“-Sprechers in der heutigen RBB-Abendschau zu den Plänen des Unternehmens mit Gebäuden und Areal hatten nicht einmal den Gehalt der sonst üblichen Lippenbekenntnisse. So deutet vieles darauf hin, dass die Wiesenburg und ihre Bewohner und Nutzer sich wohl auf heftige Turbulenzen einstellen müssen.

Carglass-Substitut

Carglass-Substitut

Eigenwillige Reparaturkunst am Kraftfahrzeug. Gesehen im Wedding.

Herzenstür

Herzenstür im Wedding

Ungeöffnete Liebeserklärung im Wedding.

Finale Vorbereitungen

Finale Vorbereitungen

Gerade noch rechtzeitig zum WM-Finale kommt das neue Plasma- oder LED-Gerät wohl an. Die Last-Minute-Lieferung durchlief heute kurz vor dem Anpfiff des Endspiels in Rio den U-Bahnhof Osloer Straße.

Potentielle Stammkneipe No. 3

Zille oder Nachkriegszeit? Was letztendlich die Namensgeber dieser Gaststätte im Sinn hatten, ist nicht ganz eindeutig. Das schwofende Pärchen oben rechts deutet allerdings auf den „Pinselheinrich“ hin. Auf jeden Fall ist es ein wirklich cooler Name, viel besser als „Eulenhorst“, wie das Weddinger Kneipenoriginal bis weit in die 1980er Jahre hinein noch hieß. Mit zwei großen Eulenskulpturen über den Fenstern schufen die damaligen Betreiber, übrigens ein paar Engländer, nicht nur ein bekanntes Markenzeichen, sondern vertrieben auch lästige Tauben.

Briten, Tauben und Eulen sind heute alle weg, die günstigen Bierpreise sind geblieben. Zu meinem Leidwesen ist die „Trümmmerlotte“ aber eine reine Raucherkneipe. Der Tag ist noch lang, da verspür ich wenig Lust, die authentische „Bier-und-kalter-Rauch-Duftnote“ schon jetzt in den Kleidern zu haben. Vielleicht ein andermal.