Chanten für Krishna

Chanten für Krishna

Der unverkennbare Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Eine fast vergessene Melodie erobert sich heute Nachmittag langsam aber stetig den Kudamm, siegt über den sonst üblichen Verkehrslärm. Die Berliner Anhänger der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON) feiern ihre Religion auf dem Prachtboulevard. Vor allem singen sie, stundenlang. Wiederholen dabei die immergleiche Melodie mit dem immergleichen Text: „Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare.“ Da Capo! Dieses stimmenfordernde Ritual wird Chanten oder auch Sankirtan genannt. Und natürlich gehört zu so einem Gottesdienst auch der oppulent geschmückte Altar, an den hier letzte Hand anlegt wird.

Irgendwie eine unwirkliche Szenerie, die Musik, die Wimpel, der bunte Altar, die singenden Jünger. Fast ist es ein bißchen wie eine Zeitreise zurück in die 70er oder 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals gehörten die Krishna-Jünger und ihr Mantra ja sozusagen zum alltäglichen Straßenbild der westdeutschen Fußgängerzonen. Auch Teile der westeuropäischen Hippiekulturen fühlten sich von der aus dem Hinduismus enstandenen Glaubensrichtung angezogen. Vielleicht lag es ja auch daran, dass die Krishnas – anders als die meisten meinen – eher prüde eingestellt sind. Freie Liebe ist nicht! Möglich, dass sie auch deswegen in den letzten Jahrzehnten in deutschen Städten praktisch von der Bildfläche verschwunden sind, wer weiß? Eigentlich schade, denn sie machen doch einen friedlichen und lebensfrohen Eindruck.

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