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1973

Abendliches Straßenbild mit Gaslaterne aus dem Wedding

Haltestellen-Hader

Frust in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte. War es der Yelbi, der einem trotz verzweifeltem Schlussspurt die Tür vor der Nase zugeschlagen hat? Oder bewegen sich die auf dem DIFA (digitaler Fahrgastinformationsanzeiger, BVG-Sprech) für die Wartezeit bis zur nächsten Verbindung angegebenen BVG-Minuten wieder am obersten Ende der für diese eher ohnehin unverbindliche Einheit gemeinhin angenommenen weiten Zeitspanne? Oder stinkt einfach nur die Trostlosigkeit der verwaisten, hässlichen Platte selbst zum Himmel?

Rotlicht-Relikt

Seit 1899 gibt es Lichtspieltheater mit erotischem Programmschwerpunkt in Berlin. Spätestens seit sich bewegte Bilder jedes nur erdenklichen unkeuschen Inhalts per Mausblick auf den Monitor im stillen Kämmerlein zaubern lassen, stehen Etablissements dieser Art auf der Roten Liste (der vom Aussterben bedrohten Spezies). Allen Widrigkeiten zum Trotz öffnet diese einschlägige Filmbühne in der Wilmersdorfer Blissestraße bis heute ihre Pforte. Möglicherweise sind die unzweideutige Signalfarbe und das gepflegte Schmuddelimage die Bringer.

Macht nix!

Spiel, Spannung, was Süßes und eine pushende Parole – entdeckt in der Gerichtsstraße in Gesundbrunnen.

Dackel-Kult

Sakral-animalische Sprühkunst in der Gerichtsstraße in Gesundbrunnen. Nicht im Bild der „Altar“ vor dieser Schöpfung: eine Baumscheibe mit Hundehaufen aller Coleur und spezieller „note de parfum“.

Collagiert

Mit einem so bunten wie flüchtigen Cocktail aus Sprüchen und Bildern versehenes Ladenkokal in einem verwaisten Wohn- und Geschäftshaus in Friedrichshain.

Weltfremd aber geil

Ob Alk, Glimmstengel, Tattoo oder aufgemotztes Gefährt – dieser pickelige Blaublüter nichtirdischer Herkunft lebt seine Triebe recht schamlos aus. Expressives Wandgemälde auf der Außenmauer einer Autowerkstatt in der Friedrichshainer Colpestraße.

Vergrübelt

Ein nachdenklich wirkendes Emoji da auf der Tür. Vielleicht versonnen ob der Verödung und Verwahrlosung ringsherum? Dieses Haus mitten im belebten Simon-Dach-Kiez steht immerhin schon seit ein paar Jahren leer. Nach finaler Klärung der komplizierten Eigentumsverhältnisse (Erbengemeinschaft) im vergangenen Jahr hat der Seitdem-Allein-Eigentümer vor, das Gebäude bis 2023 zu sanieren. Ob dem Taten folgen oder möglicherweise ganz andere Interessen verfolgt werden? Man darf gespannt sein! Nicht zuletzt, weil da ja auch noch ein paar andere Player involviert sind. Zum Beispiel die Berliner Verwaltung, die gerade bei Bauthemen die Langsamkeit schon lange für sich entdeckt hat. Oder auch der in Friedrichshain nach seiner ureigensten Polit-Agenda „herrschende“ Aktivisten-Baubezirksrat, der dennoch mitunter recht unberechenbar zu agieren scheint.

Urbane Übergangslandschaft

Vergängliche Schöpfung aus reichlich Regenwasser, spätnachmittäglicher Strahlenfülle, alten Gemäuern, unzähligen Spraydosen und der unbändigen Frühlingskraft der Natur auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain, das einst Industrieareal war, heute diversen (Sub)Kulturen, Sportpassionierten und Partyjunkies ein Territorium bietet und zukünftig ein neues Stadtquartier mit noch nicht definiertem Charakter sein wird.

Grüßaugust

Wirklich jeder, der aus den Eingeweiden Berlins emporsteigt, wird vor dem Austritt in die Heinrich-Heine-Straße (Mitte) von diesem Herrn ohne Maske stilvoll und herzlich empfangen.

Offenbarungseid

Monetäre Simplizität und ästethischer Brutalismus: Greller Schrei eines (wohl) klammen Einfaltspinsels an der Ecke Donau-/Fuldastraße in Neukölln.

Nette Ecke

Erst grau, dann bunt, jetzt bunt und besprüht: die Kindl-Treppe in Neuköllns „Netter Ecke“ – genauer gesagt Isar-/Ecke Neckarstraße – begeistert mit ihrem farbigen Antlitz. Unter dem Motto „Meine Welt – gemeinsam gestalten“ hatten die Künstler Nicolas Freitag und Anja Röhling die Neuköllner 2016 aufgerufen, fantasievolle Motive mit Bezug zu Neukölln zu erstellen. Rund 400 der eingereichten Collagen, Fotos und Zeichnungen wurden auf Kreise und Streifen aus Aluminium gedruckt und an der Treppe installiert. Im Frühjahr 2019 war die Treppe komplett. In der Folgezeit sorgten dann heimische Schmierfinken mit ihrem arttypischen talentfreien Sprühdosen-Ejakulat für das entsprechende Lokalkolorit.

Unter Beobachtung

An der Mauer stets fest im Blick der Grenztruppen. East-Side-Gallery 2013.

Vergängliche Street-Art-Galaxie

Diese schrillen Graffitis ziehen die Massen von der Nürnberger Straße in Schöneberg hinein ins schräge „The Haus“. Drinnen wartet ein bizarres Street-Art-Universum aus Graffitis, Skulpturen, Tape Art und Installationen jeder Art. Die so einzigartige wie vielfältige Pop-Up-Galerie ist der kreative Output einer multinationalen Künstlerhundertschaft. Leider verschwindet sie schon bald in einem schwarzen Loch: ab August wird das Gebäude abgerissen, um Platz für einen Neubau zu machen. Also noch schnell hin!

Lieschen schmult

Versteckspielen mit Schummeln: beim Zählen lugt das Lieschen durch die Finger! Graffiti nach Zille-Art in der Hagenauer Straße in Prenzlberg.